Lunge und Beruf – berufsbedingte Lungenerkrankungen

Was ist das ?

Erkrankungen des Atmungssystems können durch berufliche Einwirkungen ausgelöst oder verstärkt werden. Die zumeist mit der Atemluft aufgenommenen Schadstoffe lösen bei individueller Bereitschaft krankhafte Reaktionen in den Bronchien oder im Lungengewebe aus.
Der Arbeitnehmer ist gegenüber beruflich ausgelösten Erkrankungen bei seiner Berufsgenossenschaft versichert. Bei Verdacht auf eine berufsbedingte Erkrankung wird durch eine ärztliche Begutachtung geprüft, ob gemäß der  Berufskrankheitenverordnung ein Zusammenhang mit beruflichen Einflüssen besteht.

Ursachen und Vorkommen

Für beruflich verursachte Erkrankungen des Atmungssystems gibt es verschiedene Auslösemechanismen:
Beim allergischen Asthma bronchiale kommt es durch erworbene Überempfindlichkeit auf berufliche Allergene jeweils zu asthmatischen Reaktionen. Wichtige Allergene sind u.a. Mehlstäube im Bäckereihandwerk, Tierhaare, Pflanzenbestandteile bei gärtnerischen Berufen, aber auch Holzstäube im Tischlereihandwerk oder Isozyanate als Bestandteil von Farben. Beim irritativen Asthma bronchiale bewirken Reizstoffe eine chronische Entzündung und Verengung des Bronchialsystems. Auslösend sind z.B. Epoxidharze in Härtern, Färbe- und Haarpflegesubstanzen, Lösungs- und Desinfektionsmittel.
Als Pneumokoniosen bezeichnet man Reaktionen des Lungengewebes auf eingeatmete anorganische Substanzen. Bei der Silikose (Steinstaublunge) bilden sich durch abgelagerte Quarzstäube im Lungengewebe derbe Knötchen, welche sich auch nach Beendigung der Staubeinwirkung weiter vergrößern können (Abb.1). Betroffen sind vor allem Arbeiter im Erzbergbau oder in Gießereien (Formsand).  Bei
der Asbestose kommt es durch die eingeatmeten Asbestfasern zu einer zunehmenden Versteifung des Lungengewebes, zur sog. Fibrose, sowie zu Auflagerungen auf dem die Lungen umgebenden Rippenfell (Abb.2).
Durch Einatmung bestimmter organischer Stäube (z.B. Vogelfedern, Schimmelpilzsporen) kommt es zu einer entzündlichen Reaktion in den Lungenbläschen (Alveolen), zur sog. exogen-allergischen Alveolitis, welche bei fortbestehender Exposition zu einer Lungenfibrosierung (Verfestigung und Abnahme der Elastizität des Lungengewebes) führen kann.
Eine Ansteckung mit Tuberkulose ist bei Beschäftigten des Gesundheitswesens möglich. Eine behandlungsbedürftige Tuberkulose spielt außerdem bei einer Steinstaublunge (Silikose) als zusätzliches Krankheitsbild eine Rolle.
Lungenkrebs kann durch langjährigen Kontakt mit radioaktiven Strahlen, z.B. im Rahmen einer Tätigkeit im Uranerzbergbau unter Tage (frühere Wismut-AG), aber auch durch eine Asbestfaserexposition verursacht werden. Eingeatmete Asbestfasern können außerdem zu einem Tumor im Bereich des Rippenfells,  dem sog. Pleuramesotheliom führen.


Abb1: Silikose, Quelle: Eigene Praxis 

Abb2: Kalkplaques auf dem Rippenfell, Quelle: Eigene Praxis


Wie wird die Erkrankung entdeckt ?

Arbeitnehmer sind bei Kontakt zu potentiell schädigenden beruflichen Einflüssen durch den Betriebsarzt oder den arbeitmedizinischen Dienst in einer gesetzlich vorgeschriebenen regelmäßigen Überwachung. So lassen sich rechtzeitig Verdachtsmomente auf eine berufbedingte Erkrankung der Atmungsorgane erkennen. Andererseits muss bei Beschwerden seitens der Atmungsorgane (Husten, Auswurf, Luftnot, Thoraxschmerzen) auch an eine mögliche Auslösung durch Faktoren im Arbeitsmilieu des Patienten gedacht werden.
Durch eine umfassende Diagnostik wie Lungenröntgen,  Computertomogramm, Bronchoskopie, Gewebsentnahme aus der Lunge, Lungenfunktion, sowie Provokations- und Expositionstests kann der Zusammenhang zwischen der vermuteten auslösenden Substanz und der bestehenden Erkrankung wahrscheinlich gemacht werden.

Wie wird die Erkrankung behandelt ?

Nach Sicherung der berufsbedingten Erkrankung ist die Karenz, d.h. die Vermeidung des weiteren Kontaktes mit dem auslösenden Stoff, wichtig. Eine Reduzierung der Exposition kann bereits durch entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen realisiert werden. Oft machen sich aber Arbeitsplatzwechsel oder Umschulung des betroffenen Arbeitnehmers erforderlich.
Zusätzlich kommen krankheitsspezifische  Behandlungsprinzipien zur Anwendung.
Bei bösartigen Tumoren spielt das rechtzeitige Erkennen in einem frühen Stadium die entscheidende Rolle, um eine dauerhafte Heilung erzielen zu können.


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